Was sind uns junge Menschen wert?

Jugendsozialarbeit steht – wie jedes Feld der Jugendhilfe – unter dem Imperativ des Achten Sozialgesetzbuches § 1, wo es heißt: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ Es wäre also zu kurz gegriffen, würde die Jugendsozialarbeit ihre Aufgabe nur in der Befähigung junger Menschen für den Arbeitsmarkt sehen. Sie muss alle seine Anlagen und Kräfte fördern. Für eine solche ganzheitlich ausgerichtete und von Werten geleitete Jugendsozialarbeit gibt es gute Gründe:

Grund 1: Menschen sind nicht nur wertvoll, sie haben eine „Würde“
Die Jugendsozialarbeit aller Träger – der weltanschaulichen wie weltanschaulich neutralen – ist dem internationalen Code of Ethics für die Berufsgruppe der Sozialarbeiter/Sozialpädagogen verpflichtet. Deren erster Grundsatz drückt die Überzeugung aus, dass „jeder Mensch die gleiche Würde (hat), ungeachtet seiner Abstammung, seiner Volkszugehörigkeit, seines Geschlechtes, seines Alters, seines Glaubens, seiner sozialen und wirtschaftlichen Stellung oder seiner gesellschaftlichen Verpflichtung.“ Daraus leitet sich der erste Leitsatz ethischen Verhaltens von Sozialarbeitern/-innen ab: „Die Würde des Einzelnen achten, die Gründe seines Verhaltens verstehen und entsprechend helfen.“
Der Code of Ethics stellt somit die unverzichtbare personale Orientierung der berufli-chen Sozialarbeit heraus. Diese begegnet „unabhängig und umfassend menschlichen Nöten, die durch personale-soziale Interaktion entstehen; sie sieht ihre Aufgabe in der Entwicklung menschlicher Fähigkeiten. Sozialarbeiter dienen dem Wohlergehen und der Selbstverwirklichung der Menschen (...); sie erstreben soziale Gerechtigkeit für jeden Menschen.“

Grund 2: Gute soziale Arbeit ist ein Konstrukt aus Fachlichkeit und Persönlichkeit
Die Qualität der Jugendsozialarbeit lässt – sich die jeder anderen Sozialarbeit – nur als Konstrukt beschreiben. So bedeutsam einerseits fachliche, organisatorische, wirtschaft-liche und technische Kompetenzen für den Erfolg sozialer Arbeit sind, so unverzichtbar sind andererseits subjektive Faktoren wie Menschlichkeit, Liebe, Empathie und Zuwen-dung: "Dadurch fällt der Person des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin (...) eine zentrale Rolle für die Aufgabenerfüllung zu. Die Person/Persönlichkeit mit ihren Stärken, Erfah-rungen, Eigenschaften und Fähigkeiten wird zum ‚Dreh- und Angelpunkt‘, der über Qualität und Erfolg in den beruflichen Interaktionen mit den Hilfebedürftigen und Kol-leg(inn)en entscheidet.“ (Schwarz 1997: 67)
Die Qualität von guter Jugendsozialarbeit hängt somit nicht nur an technischen Instru-menten, sondern ebenso an der Haltung von Sozialarbeitern/-innen. Nur wenn sie Ju-gendlichen das Gefühl vermitteln können, dass ihnen etwas an ihrem Schicksal liegt und sie ihnen trotz aller Schwierigkeiten etwas zutrauen, dann besteht die Chance auf einen Erfolg.

Grund 3: Soziale Arbeit ist eine zu verantwortende Tätigkeit
Der professionelle Umgang mit Menschen erfordert ein hohes Maß an Verantwortung sowohl dem Individuum wie der Gesellschaft gegenüber. Weil Sozialarbeiter/-innen für das, was sie tun, „gerade stehen“ müssen, brauchen sie ein „Werte- und Kriterienwissen“ (S. Staub-Bernasconi), von dem her sie ihr Handeln begründen und ausrichten können. Weil man aber in vielen Situationen nicht einfach sagen kann, was jeweils richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, empfiehlt der Pädagoge Hans Thiersch eine „moralisch inspiririerte Kasuistik“. (Thiersch 1995). Man müsse „den Einzelfall unter allgemeinen Regeln“ verhandeln. Solche allgemeinen Regeln aber finden sich nicht einfach in der Sozialarbeit selbst, sondern sie kommen von auswärts: von der Philosophie, der Theologie und von weltanschaulichen Institutionen. Die (Jugend)Sozialarbeit kann auf diese ethischen Traditionen nicht verzichten. Würde sie es trotzdem tun, geriete sie in Gefahr, ihr Rückgrat zu verlieren und zum Spielball bürokratischer, ökonomischer oder ideologischer Interessen – dies zu Lasten der Menschenwürde und der Menschenrechte der Hilfesuchenden.

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